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Donnerstag 06.06., um 20:00 Uhr  



Ich will keine Blaubeertorte, ich will nur raus.

Totenbeschwörung nach dem Buch von Gabriel Heim

Ilse schwieg bis zuletzt über ihre Mutter Marie. Erst nach Ilses Tod findet deren Tochter über 170 Briefe Maries, die aus Berlin immer dringlicher vor der Katastrophe warnt und in ihrer Tochter Ilse in Basel ihre einzige Rettung sieht. Als Ilse sich endlich zur Rettung der Mutter vor den Nazis entschließt, ist es zu spät und Maries Flucht in die Schweiz scheitert beim Versuch die Grenze bei Hohenems zu überwinden.

Ich will keine Blaubeertorte“ erzählt die Geschichte einer jüdischen Familie in dunklen Zeiten, vom Sterben und Weiterleben und davon, wie die Erfahrung von Gewalt, Verlust und Schuld auch folgende Generationen nicht mehr loslässt.

Spiel: Yael Schüler
Regie/ Textfassung: Jan Viethen

Ilse Winter blieb ihre Mutter betreffend stumm, mit ihrem Tod schließlich endgültig. Übrig bleiben nur die Briefe ihrer Mutter Marie aus Berlin an die Tochter in Basel, in denen sie immer dringlicher vor der Katastrophe warnt, die sie schließlich zermalmt. Das Unausweichliche rückt näher, aber Ilse will die anstrengende Mutter nicht bei sich haben. Wir wissen, wie es ausgehen wird, aber dass es so ausgehen musste, lässt sich schwer ertragen. Man möchte Ilse anschreien, sie fragen wieso sie so lange zögerte, was schließlich die Schuldgefühle mit ihr gemacht haben. Die dritte Generation, in unserem Stück die Enkelin Gabí, geht nach Ilses Tod diesen Fragen auf den Grund. „Ich will keine Blaubeertorte“ ist ein bewegendes Zeugnis einer unmenschlichen Zeit. Der Text zeigt dabei, wie aus ganz normalen familiären Konflikten nicht wiedergutzumachende Schuld entsteht und wie diese weitergegeben wird.

Das Stück erzählt die Geschichte einer Familie, aber stellt auch die Frage, wie die Erfahrung von Gewalt, Verlust und Schuld an folgende Generationen weitergegeben wird. Die Familie ist in den drei Personen Gabí, Ilse und Marie auf der Bühne präsent, alle drei werden von Yael Schüler verkörpert.

Ilses Sprachlosigkeit nimmt einen zentralen Teil unserer Inszenierung ein. Sie war eine talentierte Schauspielerin und begnadete Entertainerin, die auf Partys Monologe rezitierte. Marie ist durch ihre Briefe am präsentesten. Sie setzt all ihre Hoffnungen in die Tochter, ihr Ein und Alles, deren Lebenswandel sie jedoch nie akzeptieren konnte.

Die Enkelin Gabí ist die Erzählerin, aber auch Zeremonienmeisterin, die den beiden toten Frauen Körper und Stimme leiht, um sich ihrer Herkunft zu stellen.

Das Stück ist der Versuch einer Antwort auf die Sprachlosigkeit nach nicht zu beschreibendem Grauen und eine Totenanrufung von antiker Wucht.

Produktion: y-productions
Eine Kooperationsveranstaltung mit der Jüdischen Volkshochschule.

In Kooperation mit: